Pionierstandorte

Stillgelegte Grubenareale, in welchen bis vor kurzem Kies, Ton oder Kalk abgebaut wurden, bieten zahlreichen Lebewesen einen passenden Ersatzlebensraum, welche früher in dynamischen Flussauen ihr Zuhause fanden. Solche Flussauen, mit Kiesbänken, Sandhängen und kleinen, ruhig stehenden Wasserstellen sind heute rar geworden.

Die Zielart

In der Abenddämmerung kann zwischen Frühling und Spätsommer im Jurapark Aargau vielerorts ein flötender, glockenartiger Ruf gehört werden. Dieser stammt von den in Erdhöhlen und unter Steinen verborgenen Geburtshelferkröten (Alytes obstetricans), im Volksmund ihres Rufs wegen auch „Glögglifrösche“ genannt. Im Jurapark Aargau befinden sich letzte grössere Bestände dieser stark gefährdeten Art, die zum Tier des Jahres 2013 ernannt wurde. 

Mehr zum Glögglifrosch erfahren Sie hier.

Die Förderung

Der Ruf der Geburtshelferkröte kann im Jurapark Aargau noch relativ häufig vernommen werden, was eine umfassende Standortsuche infolge eines Meldeaufrufs nochmals bestätigte. Dies spricht für die vielerorts bestehende Qualität der Landschaft. Die Bestände sind allerdings oft klein und isoliert, was auch auf die geringe Wanderbereitschaft der Kröten zurückzuführen ist. Dennoch besteht eine gute Chance, eine gesunde, zusammenhängende Population wiederherzustellen.

Wer andern eine Grube gräbt, betreibt Artenförderung: Zwischen 2009 und 2016 wurden insgesamt 60 Laichgewässer neu angelegt oder aufgewertet. Neben den Laichgewässern ist der Erhalt, die Schaffung oder Aufwertung von einem strukturreichen und warmen Landlebensraum in unmittelbarer Umgebung des Laichgewässers von zentraler Bedeutung. Die vier Schwerpunktgebiete liegen zwischen Herznach und Oberhof, zwischen Linn und Zeihen, im Raum Effingen-Bözen-Elfingen sowie im Wegenstettertal. Zudem wurde die Strihengrube in Wölflinswil massiv aufgewertet. Das langfristige Ziel ist eine Vernetzung der bestehenden Teillebensräume, damit die Glögglifrösche wandern können.

Semesterarbeit: Kartierung der Vorkommen

2016 erschien eine Semesterarbeit von Aline Meyer (ZHAW), in der die Vorkommen der Geburtshelferkröte im Jurapark Aargau und den angrenzenden Gebieten kartografisch dargestellt und auf ihre potenzielle Vernetzung geprüft wurden. Die Resultate der Studie finden Sie rechs unter 'Karte Vernetzung' sowie Karte Amphibienmonitoring.

Gartentipps

Der Glögglifrosch lebt in besonnten Lagen mit steinigen, sandigen, lockererdigen Böden in der Umgebung von Kleingewässern sowie in reich strukturierten Gärten und Rebbergen. Bereits mit einfachen Massnahmen fühlt sich die Kröte auch in Ihrem Garten wohl. 
Einige Gartentipps mit Bildern zur Veranschaulichung finden Sie im Downloadbereich.
Weitere Informationen zur Geburtshelferkröte finden Sie bei Pro Natura und bei Karch.

Weitere Bewohner

Besonnte, vegetationsarme Weiher bieten vielen seltenen Amphibien einen Lebensraum, so auch der Gelbbauchunke, der Kreuzkröte oder dem Grasfrosch. In den kargen, sandigen Uferzonen wachsen gefährdete Pionierpflanzen wie die Sicheldolde, das Kleine Tausendgüldenkraut oder der Acker-Wachtelweizen. Ebenso auf Sand und Sonne angewiesen sind die Blauflügelige Ödlandschrecke und die vom Aussterben bedrohte Blauflügelige Sandschrecke sowie viele einheimische Wildbienenarten.

Hinweis: Zur Vermeidung von Pilzkrankheiten und auch um kleine Populationen nicht zu gefährden, sollen keine Kröten (und auch keine anderen Amphibien) ohne Absprache mit dem Kanton Aargau in andere Gewässer versetzt werden.

Perimuk sagt, bis bald im Jurapark