Obstgärten

Hochstammbäume, insbesondere Kirschbäume, prägen schon seit Jahrhunderten das Gesicht des Aargauer Jura. Im Gegensatz zu kurzlebigen Niederstämmen beherbergen die knorrigen Riesen ganze Ökosysteme mit einer grossen Artenvielfalt: Flechten, Moose, Insekten, Spinnen, Vögel und Fledermäuse leben auf und von den Obstbäumen oder der umgebenden Wiese. Leider ist dieser einzigartige Lebensraum in den letzten Jahrzehnten dramatisch geschrumpft. Der Jurapark Aargau setzt sich für den Erhalt dieser Landschaftsperlen ein.

Die Zielarten

Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) ist auf Hochstammobstgärten angewiesen wie kaum ein anderes Tier – im Aargau kommt er fast ausschliesslich in diesem Lebensraum vor, wo er in Astlöchern und Höhlen brütet und in den Wiesen seine Nahrung findet. Da der Gartenrotschwanz einen Grossteil seiner Nahrung am Boden erbeutet, sind blumenreiche Obstwiesen als gutes Nahrungsangebot für Insekten sowie lockerwüchsige und offene Bodenstellen zur besseren Auffindbarkeit der Nahrung (Insekten, Sämereien) besonders wichtig.

Die Grosse Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) ist ebenso auf insektenreiche Wiesen angewiesen. Sie erbeutet vor allem Falter, Schnaken und Blatthornkäfer in einem Umkreis von 5 Kilometern um ihre Wochenstube, meist ein grosser Dachstock mit Stauhitze. In der Schweiz verbleiben nur noch drei Wochenstuben: eine im Wallis, eine in Graubünden und eine im Jurapark (Wegenstetten). Mehr über Fledermäuse erfahren Sie hier.

Die Förderung

Die Hochstammobstgärten im Jurapark Aargau sollen langfristig gepflegt und erhalten werden. Spezifische Artenförderungsmassnahmen sind wertvoll zur Förderung der Zielarten, so kann z.B. ein kontinuierlich verfügbares Nahrungsangebot durch gestaffelten Schnitt sichergestellt werden.

Weiter wird eine bessere Wertschöpfung aus Hochstammobst angestrebt, indem die Vermarktung von nachhaltig erzeugten Hochstammobstprodukten aus der Region gefördert wird. Das Projekt Hochstammbörse zielt ebenfalls darauf ab, den Rückgang der Hochstammbäume im Parkgebiet zu stoppen. Dies geschieht durch die Vermarktung von Baumpatenschaften, die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und über speziell dafür ausgebildete Hochstammbeobachter.

Der Jurapark Aargau unterstützt das Projekt 'Flederhaus' in Wegenstetten, um die Fledermaus-Wochenstube der Grossen Hufeisennase im Aargau zu erhalten. Um auf diese und weitere teils höchst seltene Fledermausarten aufmerksam zu machen, lancierte der Jurapark Aargau 2014 das Projekt 'Wir fördern Fledermäuse im Wegenstettertal'

Im Sommer reifen süsse, gesunde Kirschen an den Hochstammbäumen im Park. Ihre Ernte bedeutet viel Handarbeit und ist daher zeitintensiv. Beim Angebot 'Pflück-Helfer' helfen interessierte Privatpersonen bei der Ernte mit. 

Weitere Bewohner

Jeder alte Obstbaum ist ein eigenes kleines Ökosystem voller Flechten, Moose, Schnecken, Insekten und Spinnen. Dieser Mikrokosmos dient als Nahrungsgrundlage für Vögel wie Goldammer, Feldsperling und Grauschnäpper. In den Wiesen zwischen den Bäumen finden Finken, Amseln und Drosseln ein reichhaltiges Buffet von Samen und Wirbellosen.

Kommt der Steinkauz wieder zurück?

Vier ehemals typische Kulturlandvögel sind bereits weitgehend aus dem Aargau verschwunden: Steinkauz, Wiedehopf, Wendehals und Rotkopfwürger. Sie alle sind auf grosse Mengen an Grossinsekten sowie Bäume oder Büsche als Ansitzwarten und Brutplätze angewiesen und sind der Intensivierung der Landwirtschaft sowie der Zerstückelung der grossen Obsthaine zum Opfer gefallen. Dank relativ nahen Brutvorkommen besteht zumindest auf eine Rückkehr von Wendehals und Steinkauz wieder Hoffnung. 

Neue Hoffnung für bedrohte Anbauform

Der Schutz der Hochstammgärten gestaltet sich in den letzten Jahren schwierig: Die personalintensive und aufwändige Arbeit wird immer teurer und Schädlinge wie die Kirschessigfliege und die in feuchten Frühlingen auftretende Pilzkrankheit Monilia machen vor allem dem Kirschenanbau zu schaffen. Das Ökosystem eines Hochstammgartens funktioniert genauso gut mit anderen ökologisch wertvollen Bäumen wie Eichen oder Hainbuchen, die nicht so pflegeintensiv sind wie Obstbäume. Mittlerweile gibt es für Eichen und Hainbuchen eine neue, interessante landwirtschaftliche Verwendung: den Trüffelanbau.

Seit einigen Jahren sind bei TrüffelGarten Schweiz in Büren an der Aare junge Bäume erhältlich, deren Wurzeln eine Symbiose mit Trüffel-Pilzgeflecht bilden. Werden sie nicht zu nahe an einem Waldrand gepflanzt und korrekt gepflegt, behalten ungefähr die Hälfte der Bäume diese Symbiose bei und geben nach sechs oder mehr Jahren regelmässig Trüffel. Trüffelbäume geben zwar ebenfalls keine gleichmässigen Erträge. Einige Jahre sind ertragreich, andere weniger. Aber die Voraussetzungen dafür sind nicht dieselben wie für Obstbäume, so dass Verluste mit Obst durch Gewinne mit Trüffeln ausgeglichen werden können, und umgekehrt. Ein gemischter Hochstammgarten mit Trüffel- und Obstbäumen könnte in den meisten Jahren gute Gewinne abwerfen und wäre weitaus konstanter als ein reiner Obstgarten oder eine reine Trüffelplantage. Ein Link zu dieser interessanten Alternative befindet sich im Downloadbereich.

Perimuk sagt, bis bald im Jurapark